Brille vor einem Stapel Bücher

Besser schreiben – ausdrucksstarke Texte

Was macht einen guten Schreibstil aus? Wie kann man die eigenen Texte markanter formulieren? Natürlich erfordert es Übung, aber es gibt auch ein paar einfache Tricks. Besser schreiben ist kein Buch mit sieben Siegeln. Besser schreiben erfordert nur einfache Überlegungen. Die verrate ich in diesem Artikel.

In erster Linie kann man das gute alte „Show, don´t tell“ bzw. „Zeigen, nicht erzählen“, verwenden. Dabei geht es darum, die menschlichen Sinne, wie beispielsweise Schmecken, Riechen, Fühlen, Sehen, Hören, anzusprechen. 

Nachfolgend einige Beispiele. Links steht immer ein allgemein formulierter, aber auch langweiliger Satz. Rechts daneben ist die Version „Besser schreiben“, in der immer mindestens zwei Sinne angesprochen werden. Die bessere Version ist nicht gleichzeitig die beste Version, diesen Anspruch habe ich nicht. Aber sie ist jedenfalls nicht so banal formuliert wie die linke Version. 

Beispiel 1: Ein Waldspaziergang

Der Wald war schön. Überall waren Bäume, und die Luft roch gut.

Der Wald war voller goldener Blätter, die in der Herbstsonne schimmerten. Das erdige Aroma der feuchten Erde vermischte sich mit dem frischen Duft der Kiefern, während das Rascheln der Blätter die Geheimnisse des Windes verriet

Dass ein Wald schön ist und die Luft gut riecht, kann jeder Anfänger schreiben. Konkret geht es aber um folgende Frage: Was macht den Wald schön (für die spezielle Romanfigur, die durch den Wald geht). Wie kann man die Schönheit des Waldes besser schreiben? Hierbei kann der rechte Teil nur eine erste Version sein. Man muss es genauer ausformulieren im Hinblick auf die Romanfigur: Ist sie ein gestresster Großstadtmensch, genießt sie deshalb vor allem Ruhe und die andere Luft? Ist sie vielleicht Hobbybotanikerin und interessiert sich für spezielle im Wald wachsende Pflanzen? Dann müsste man ein paar Fachbegriffe der Pflanzenwelt einfügen.

Beispiel 2: Ein Besuch im Café

Im Café herrschte reger Betrieb. Die Leute unterhielten sich, und es roch nach Kaffee.

Der Coffeeshop brummte vor Energie, die Gäste plauderten über dampfenden Tassen. Beinahe klang es wie ein summender Bienenschwarm. Das nussige Aroma von frisch gebrühtem Kaffee mischte sich mit der leichten Süße von Gebäck, während der Regen rhythmisch gegen die Fenster klopfte.

Hier sitzt die Romanfigur, die das Café als angenehm empfindet, im Trockenen und genießt vermutlich ihren heißen Cappuccino, während draußen es vielleicht kalt und regnerisch ist. Auch hier kann man Verfeinerungen vornehmen sofern es die Situation der Romanfigur erfordert. Wartet sie auf jemanden oder vertreibt sie sich einfach nur die Zeit? Schreibt sie vielleicht ein Buch und studiert Möglichkeiten für Besser schreiben?

Beispiel 3: Der Tag am Strand

Der Strand war wunderschön. Die Wellen waren groß, und der Sand war weich.

Der Strand erstreckte sich wie ein goldenes Band, sein weicher Sand war warm unter den Füßen. Die Wellen brachen mit rhythmischer Kraft, ihre salzige Gischt wurde von der sanften Meeresbrise getragen.

Besser schreiben ist kein Buch mit sieben Siegeln. Konkret geht es wieder um die Frage, was genau einen Strand wunderschön macht. Hier empfindet die Romanfigur ihn wie ein goldenes Band, der Sand ist weich unter den nackten Füßen. Andere Figuren haben andere Sichtweisen. Vielleicht ist eine andere Person nur genervt vom Sand, der an der Haut reibt. Jeder Mensch sieht einen Strand anders. Das muss man bei einer Strandszene berücksichtigen.

Beispiel 4: ein Sturm zieht auf

Der Sturm war schlimm. Es war dunkel und windig.

Das Gewitter tobte wild, der tiefschwarze Himmel wurde von zackigen Blitzen durchbohrt. Heftige Winde heulten durch die Bäume und trugen den scharfen Geruch von Regen und den metallischen Geschmack des nahenden Donners mit sich.

Im englischen Sprachraum gibt es den geflügelten Satz: „Es war eine kalte und stürmische Nacht“ als Metapher für eine langweilige Romaneröffnung. Er stammt aus einem Roman von 1830 und wird gerne als Muster für Banalität verwendet. Es ist eine oft verspottete und parodierte Phrase, die als „archetypisches Beispiel für einen blumigen, melodramatischen Stil in der Belletristik“ gilt. Besser schreiben geht anders.

Beispiel 5: Auf dem Jahrmarkt

Der Jahrmarkt hat Spaß gemacht. Es gab bunte Lichter und Fahrgeschäfte.

Der Jahrmarkt erstrahlte in einem Kaleidoskop aus blinkenden Lichtern. Die Luft war erfüllt von fröhlichem Gelächter, dem Summen der Fahrgeschäfte und dem zuckersüßen Duft von Zuckerwatte, der durch die Menge wehte.

Auch hier geht es vor allem darum, wer auf dem Jahrmarkt ist. Ein Kind betrachtet ihn mit anderen Augen als ein Erwachsener. Auch sind die Gefühle wichtig. Ist die Person auf dem Jahrmarkt voller Vorfreude, weil sie jemanden treffen wird? Oder ist sie vielleicht depressiv und das fröhliche Gelächter der anderen Menschen ödet sie nur an? Es gibt verschiedene Wege, um einen Jahrmarkt zu beschreiben. Wichtig ist die Frage, wer auf dem Markt ist und welche Stimmung die Person gerade hat.

Beispiel 6: Im Restaurant

Das Essen sah unappetitlich aus.

Die blassen Putenscheiben schwammen schlaff in einer Lache aus trübem Fett.

Tja, der Unterschied zwischen einem guten Restaurant und einer Bude, bei der man beim Anblick des Essens bereits jeden Appetit verliert. Besser schreiben im Sinne von „Show don´t tell“ ist die Frage, was das Essen unappetitlich macht. Es muss nicht die sprichwörtliche Fliege in der Suppe sein. Auch muss man ein Essen nicht mit den Augen eines Restaurantkritikers betrachten. Es genügt die einfache Frage, was einem die Lust am Essen verleidet und weshalb man jedem guten Freund dringendst abraten würde, dieses spezielle Restaurant zu besuchen. Würde der Freund sich zufrieden geben mit: „Es war unappetitlich“. Oder würde er nachfragen: „Echt? Wie sah das Essen denn aus? Was hast du bestellt?“

Abschlusstipps für Besser schreiben: Was Sie bei der Verwendung sensorischer Details vermeiden sollten

– Zu viele Adjektive – verwenden Sie nur die stärksten Wörter in Ihrem Text und streichen Sie alle unnötigen Wörter.

– Zu viele Adverbien – Verben sind stärker als Adverbien. „Sie schlenderte in den Raum“ ist aussagekräftiger als „Sie schlenderte lässig in den Raum“.

– Klischeehafte Redewendungen – überstrapazierte Formulierungen wie „grün vor Neid“ zeugen von mangelnder Fantasie. Verwenden Sie frische, beschreibende Wörter, die sich gegen das routinemäßige Denken richten.

Viel Spaß beim Besser schreiben. Falls Sie Fragen haben, die Kommentarfunktion ist geöffnet.


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