Was ist ein Mary Sue Charakter?
Ein Mary Sue Charakter wird oft als übermäßig idealisiert und fast perfekt angesehen, mit wenigen Fehlern. Sie haben typischerweise außergewöhnliche Fähigkeiten, lösen Konflikte schnell und werden in einem Roman universell bewundert. Einzige Ausnahme sind echte Bösewichte, die sofort durch ihre Bösartigkeit auffallen.
Kling das nach einem realen Menschen? Nein. Wie kann man es vermeiden, eine Mary Sue zu schreiben?
Ursprung des Begriffs „Mary Sue“
Der Begriff „Mary Sue“ entstand in den Bereichen der Fan-Fiction, insbesondere in der Fangemeinde von „Star Trek, The Original Series“. 1973 prägte Paula Smith den Begriff in ihrer satirischen Kurzgeschichte mit dem Titel „A Trekkie’s Tale“. Die Geschichte stellte Lieutenant Mary Sue vor, die an Bord der Enterprise äußerst talentiert vorgeht, sehr schön ist und universell bewundert wird. Nur wirklich miese Menschen behandeln Mary Sue schlecht. Smith schuf diese Figur, um einen Trend zu verspotten, den sie in der Fan-Fiction bemerkte. (Und den man leider auch heute noch vor allem in der Fan-Fiction findet). Junge Autorinnen sind für diesen Fehler sehr anfällig, erschaffen oft ein idealisiertes Bild von sich selbst.
Mary Sue Figuren, typischerweise weiblich, werden für ihren Mangel an Fehlern und der Leichtigkeit kritisiert, mit der sie jede auch noch so schwere Herausforderung überwinden. Im Endeffekt fühlen diese Romanfiguren sich unauthentisch und unglaubwürdig an. Es gibt auch einen Begriff für die männliche Version: Harry Stu.
Auswirkungen einer Mary SUE auf das Storytelling
Die Anwesenheit einer Mary Sue schwächt die Glaubwürdigkeit einer Geschichte. Man will Geschichten über glaubhafte Romanfiguren, die nachvollziehbare Mängel haben und während der Handlung ein greifbares Wachstum erfahren. Fehlen einer Romanfigur diese Eigenschaften, wird der Roman leicht zu einem Ladenhüter.
Eigenschaften einer Mary Sue
Wie erkennt man eine Mary Sue? Meistens treffen folgende – nicht immer alle – Charaktereigenschaften auf eine solche Romanfigur zu:
- Übermäßig idealisiert: Mary Sues werden oft als unglaublich attraktiv, talentiert und moralisch überlegen dargestellt. Diese Charaktere zeigen selten, wenn überhaupt, echte Fehler.
- Unrealistische Fähigkeiten: Sie besitzen außergewöhnliche Fähigkeiten oder Kräfte, die in der Geschichte nicht logisch erklärt werden. Oft ist auch unklar, wie Mary Sue z.B. wissenschaftliche Kenntnisse erworben hat. Sie fliegen ihr im Regelfall zu, bzw. sie hat sie nebenbei z.B. auf der Sternenflottenakademie gelernt, während andere dafür hart arbeiten mussten. Auch bleiben Mary Sues in einer Krise ungewöhnlich ruhig, bzw. ihr fällt die Problemlösung sofort ein.
- Universelle Bewunderung: Andere Charaktere in der Romanhandlung loben oder lieben Mary Sue häufig ohne wesentliche Gründe. Eine Mary Sue wird mehr oder weniger in dem Moment bewundert, in dem sie in der Handlung auftaucht. Sie kassiert mehr oder weniger sofort Lob für ihr Aussehen, ihr tiefes Fachwissen und ihre moralische Überlegenheit.
- Kritik kommt nur von schlechten Charakteren: Eine Mary-Sue wird nur von solchen Personen kritisiert, die schlechte Charaktereigenschaften haben, echt miese Personen sind. Im Gegensatz dazu sind alle guten Menschen sofort von Mary Sue begeistert. Auch ist die Person, die Mary Sue kritisiert, oft der Bösewicht der gesamten Handlung. Am Ende wird der Bösewicht besiegt – zumeist mit Hilfe von Mary Sue – und es bleiben somit nur noch die Bewunderer übrig. (die Mary Sue noch mehr bewundern, als am Anfang)
- Mangel an Wachstum: Mary Sues erleben oft keine signifikante Entwicklung oder stellen sich echten Herausforderungen. Falls Herausforderungen auftauchen, werden sie von Mary Sue oft mit links erledigt, bzw. sie hat sofort eine Lösung für ein schweres Problem, an dessen Lösung andere, erfahrenere Menschen scheitern. Zum Beispiel kann sie Mr. Spock sofort auf ein Problem hinweisen, dass er trotz seiner jahrelangen Erfahrung übersehen hat. Demzufolge fühlt sich die Handlung unreal an und erzeugt vor allem Langeweile.
Wie vermeidet MAN, eine Mary Sue zu erstellen?
Das Erstellen von abgerundeten Charakteren erfordert ein sorgfältiges Gleichgewicht und eine sorgfältige Entwicklung. Hier sind einige Tipps, um zu vermeiden, eine Mary Sue zu erstellen:
- Integrieren Sie echte Fehler
Charaktere sollten sinnvolle Schwächen haben, die sich auf ihre Entscheidungsfindung und die Handlung auswirken. Fehler machen Charaktere menschlicher und nachvollziehbarer. Fehler dürfen auch gerne schwerwiegend sein, und z.B. die Handlung negativ beeinflussen. Gerne dürfen Charaktere dafür auch heftige Kritik einstecken und deprimiert über sich selbst sein.
- Verdiente Fähigkeiten
Stellen Sie sicher, dass die Fähigkeiten und Erfolge der Charaktere durch sichtbare Anstrengung und Wachstum erworben werden. Dies verleiht ihren Leistungen Glaubwürdigkeit und trägt dazu bei, das Engagement des Publikums zu erhalten. Auch sollte die Romanfigur in einer Krisensituation nicht alles wissen, sondern planlos dastehen.
- Ausgewogene Eigenschaften
Kombinieren Sie Stärken und Schwächen in Ihren Charakteren. Ihnen Momente der Inkompetenz oder persönliche Probleme oder Versagensängste zu geben, schafft eine reichere, überzeugendere Erzählung.
Beispiele für ausgewogene Charaktere :
- Harry Potter: Obwohl er besondere Talente besitzt, steht er auch vor erheblichen Herausforderungen und Schwachstellen, die Hilfe von anderen erfordern.
- Frodo Beutlin: Trotz seiner Tapferkeit macht Frodos Kämpfe mit der Versuchung des Rings und seine Abhängigkeit von Freunden seine Reise nach Mordor authentisch.
Wachstum Durch Widrigkeiten
Charaktere sollten sich Widrigkeiten stellen und sie überwinden, die ihren Kern herausfordern. Wachstum durch Konflikte treibt eine Erzählung voran und sorgt für einen befriedigenden Handlungsbogen.
Verwenden Sie Charakterbögen:
Typische, im Internet erhältliche Charakterbögen helfen bei der Erschaffung einer glaubwürdigen Romanfigur. Solche Bögen enthalten im Regelfall folgende sinnvolle Fragen:
- Was sind die Stärken meiner Figur?
- Welche Schwächen hat meine Figur?
- Wovor hat meine Figur am meisten Angst?
- Falls meine Figur bestimmte Kenntnisse besitzt, wo und in welchem realistischen Zeitraum wurden sie erworben?
- Was will meine Figur am Anfang der Geschichte?
- Was will sie am Ende der Geschichte?
- Welche Entwicklung macht die Figur vom Beginn bis zum Ende der Geschichte durch?
- Wie reift meine Figur aufgrund von Fehlern und Rückschlägen?
- Wie verhält sich meine Figur im Moment der tiefsten Verzweiflung?


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